Tellington trifft Achenbach

- Basistraining für Reit- und Fahrpferde -

 

Die Tellington-Methode -auch TTEAM-Arbeit- ist ein spezielles System zur Ausbildung von Pferd und Mensch.

Sie wurde von Linda Tellington-Jones vor ca. 30 Jahren kreiert, stets innovativ weiter entwickelt und hat sich in der Reitszene erfolgreich etabliert.

Aufgegliedert umfasst sie die drei Teilbereiche

-          Bodenarbeit

-          Körperarbeit oder auch TTouches

-          Reiten mit Bewusstheit

Bodenarbeitssysteme werden derzeit viele angeboten. Die Tellington-Methode aber kann, neben der klassischen Longen- und Handarbeit, durchaus als Ursprung der danach entwickelten, modernen Systeme gelten. Außerdem ist sie bis heute die einzige Methode, die mit der integrierten Körperarbeit einen überaus wichtigen und effektiven Beitrag in der Reitpferdeausbildung und –Korrektur leistet.

In der Fahrer- und Fahrpferdeausbildung kommt sie bisher leider recht wenig zum Einsatz.

Dieser Bereich wird sehr stark von der herkömmlichen Longen- und Doppellongenarbeit dominiert – ist sehr „klassisch“ und „Achenbach“ geprägt.

Für Generationen von Fahrern war und ist Benno von Achenbachs Buch „Anspannen und Fahren“ (1922) die Bibel schlecht hin. Seine Lehre ist auch heute noch absolut sinnvoll. Jedem Fahranfänger kann empfohlen werden, ruhig erst mal „nach Achenbach“ zu lernen. Insbesondere weil seine Methode, zumindest im deutschsprachigen Raum die am weitesten verbreitete ist und die Grundlagen für das FN-Prüfungswesen bildet. Doch nicht unbedingt alles von damals muss 1:1 in die heutige Zeit übertragen werden.

Diese klassische Bastion wird in den letzten Jahren zusehends durch das rasant aufkommende Freizeitfahren, als Alternative zum Turnierfahren aufgeweicht.

So gesehen hat die Tellington Methode gute Chancen sich über dieses Hintertürchen auch im Fahrsport allgemein Anerkennung zu verschaffen. Sie ist für den Freizeitfahrer/in genauso geeignet, wie für den Turnierfahrer. Beide – und in ersten Linie die Pferde – profitieren davon. Schlussendlich ist sie ein ausgezeichnetes Basistraining für Pferde, unerheblich, ob sie darauf aufbauend geritten bzw. gefahren werden oder als „Allrounder mit und für den Menschen tätig sind.

Der Einstieg in die Bodenarbeit beginnt mit dem Erlernen von einigen differenzierten Führtechniken. Ziel ist es, ein Pferd so stressfrei wie möglich aus unterschiedlichen Distanzen, Winkelstellung und Tempi zu leiten. Als Handwerkzeug dienen anfänglich Halfter, Führkette oder Führseil und Gerte. Mit zunehmender Sicherheit werden diese immer mehr ergänzt bzw. ersetzt durch den gezielten und bewussten Einsatz von Körpersprache und –Gestik sowie dem frühzeitigen Einüben von Stimmkommandos.

 

Die Führtechniken sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern finden praktische Anwendung im Lernparcours bei der Arbeit an Bodenhindernissen, wie Stangen, Reifen, Planen, Flattervorhang usw., sowie zur Vorbereitung von Hindernissen der Gelassenheitsprüfung (GHP). Durch ein behutsames Heranführen an diese Dinge lernt das Pferd genauer hinzusehen, all seine Sinne zu gebrauchen, sich zu konzentrieren und mit zu denken. Der Fluchtreflex wird deutlich reduziert und damit die latente Bereitschaft zum Scheuen, Durchgehen und sonstigen Panikreaktionen. Das Bewegungsverhalten, die Bewegungskoordination verbessern sich. Das Pferd bekommt mehr Selbständigkeit und Selbstvertrauen und dadurch mehr Ausgeglichenheit. Die Führtechniken und –positionen sind auch die Grundlage für weiterführende Longen- und Doppellongenarbeit und allen anderen Bodenübungen, bis hin zur Freiarbeit.

Der nächste Schritt ist das Fahren vom Boden.

Beim Trainieren der Führtechniken und bei den Arbeiten an Scheckhindernissen hat das Pferd schon gelernt, Berührungen am ganzen Körper, mit unterschiedlichen Materialien, als ungefährlich einzustufen. Deswegen ist die Gewöhnung an Leinen, Seilen, Longiergurt etc. mit den richtigen Kniffen, meist kein großes Thema. Wichtig dabei ist, anfangs grundsätzlich mit einem Helfer zu arbeiten. Aus Sicherheitsgründen fahren wir die Pferde mit zwei von einander getrennten ca. -8 m langen Seilen, die durch den tiefsten Ring am Longiergurt laufen. „Befreit“ sich ein Pferd ungeplant, kann es sich mit offenen Seilen weniger schnell verwickeln als an einer geschlossenen Longe und man kann die Seile besser und gefahrloser wieder aufnehmen.

Sobald beim Pferd die nötige Ruhe und Gelassenheit da ist, machen wir es schon in diesen Stadium mit Brustblatt, (Marathon-)Kumt und weiteren Geschirrteilen bekannt. Ein kombiniertes Trainingselett ersetzt den Longiergurt. Dann laufen die Seile bzw. die Führleinen auch schon mal durch die Leinenaugen zum Kopf. Das Pferd trägt dabei ein Halfter oder eine gebisslose Zäumung (Kappzaum, Sidepull). Im Basistraining arbeiten wir grundsätzlich erst einmal ohne irgendwelche Gebisse.

Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, Mensch und Pferd an die ersten einfachen Fahrgriffe nach Achenbach zu gewöhnen –Grund-, Dressur- Gebrauchshaltung, einfache Wendungen etc. Haben beide darin eine grundlegende Sicherheit erreicht, kann das Boden-Fahrtraining stufenweise von der Halle auf den Platz und ins Gelände übertagen werden.

Was die Pferde in der Ausbildung einen großen Schritt weiter bringt, ist das Fahren über die schon bekannten Bodenhindernisse bis hin zu simulierten GHP-Prüfungen – eben gefahren vom Boden. Das bringt Spaß und Abwechslung ins Training.

Das Fahren vom Boden geht nahtlos über in die Arbeit mit der einfachen bzw. Doppellonge. Die Tellington-Methode kennt eine Führposition – den Delfin – die man auch als kurzlongieren bezeichnen kann. Ist das Pferd in dieser Position genügend geschult, so ist der Weg zur stückweisen verlängerten einfachen Longe relativ einfach – zumindest im Schritt. Um auch Tempo und Richtung im Trab, später im Galopp besser zu kontrollieren, kommt die Doppellonge ins Spiel. Wie beim Fahren vom Boden arbeiten wir zu Beginn mit zwei getrennten Leinen, wobei die äußere anfänglich quer über den Rücken läuft. Stimmen die einzelnen Ausbildungsschritte, ist das Training in der hinten umgelegten Doppellong – man kann es fast erraten – kein riesiges Problem. Das Geheimnis ist wirklich nur das Arbeiten in kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten. Mit der Bereitschaft auch mal zwei Schritte rückwärts zu gehen, anstatt einen Schritt mit Gewalt nach vorne durchboxen zu wollen. Vermeiden Sie es, ihr Pferd stur und eintönig im Rechts- und Linkskreisen quasi durch zu schleudern. Sicher soll ein Pferd lernen, sich in einem genau vorgegebenen Kreis, mit dem Longenführer als Drehpunkt zu biegen. Aber das ist nur eine Möglichkeit. Für die Pferdebeine und Gelenke, die Schlechteste. Speziell in der Doppellonge bietet es sich an, das Pferd in geraden und gebogenen Linien zu arbeiten. Kombiniert mit Stangen, Pylonen, sogar kleinen Sprüngen, wird die Lust an der Bewegung erhalten und gefördert.

Für viele Menschen ist der Umgang mit Leinen, Longe und Doppellonge zunächst ein Buch mit sieben Siegeln und gleicht manchmal dem Versuch, einen gordischen Knoten auflösen zu wollen. Wesentlich einfacher ist es mit den schon erwähnten zwei offenen Seilen oder Leinen zu arbeiten. Im nächsten Schritt werden die einzelnen Teile von einem durchgehenden ca. 10 – 12 m langen Seil ersetzt. Damit ist es möglich, im Schritt und ruhigen Trag oder Galopp besser in der eigentlichen Doppellongenposition zu arbeiten. Man ist einfach etwas flexibler, hat nicht mehr soviel in der Hand und muss wesentlich weniger Schlaufen legen als mit der sonst üblichen langen Doppellonge.

Ist das Pferd soweit, dass man sich sicher direkt an der Hinterhand bewegen kann, ist die Arbeit am langen Zügel, ergänzt durch die klassische Handarbeit, ein weiteres hervorragendes Mittel, das Ausbildungsniveau sowohl beim Reit- als auch beim Fahrpferd erheblich zu steigern. Noch bevor es unter dem Sattel geht oder vor der Kutsche eingespannt ist. Diese zwei Arbeitsmethoden eignen sich ideal zum Erlernen von Biegungen und Seitengängen bis hin zu versammelnden Übungen. Solche Lektionen sind insbesondere in der Fahrpferdeausbildung leider noch nicht Standard.

Last but not least, die Freiarbeit, die das Ganze abrundet.

Wir „spielen“ dabei mit dem Pferd in einem abgegrenzten Raum (Longierzirkel, Round-pen, Reithalle oder –platz). Es trägt dabei letztlich nichts am Körper, an dem man es festhalten könnte. Ist die bisherige Ausbildung stimmig gewesen, ist es möglich nur mit Stimme und Körpersprache, evtl. unterstütz durch Gerte, Handstock, Fahrpeitsche erfolgreich zu kommunizieren. Es geht dabei nicht um Zirkusarbeit. Im Vordergrund steht vielmehr die Vertiefung und Verfeinerung von Stimmhilfen und Körpersprache. Freiarbeit ist ein untrüglicher Gradmesser für den Ausbildungserfolg.

Die Tellington-Methode und die von uns weiterentwickelte Bodenschule kennt kein Vorgehen nach starrem Schema. Die Reihenfolge der einzelnen Elemente von den Führtechniken bis zur Freiarbeit sind flexibel und nicht schablonenhaft vorgegeben. Es muss immer individuell entschieden werden, welcher Schritt oder welche Kombination als nächstes sinnvoll ist. So kann z. B. die einfache Longe schon beim Üben der Führtechniken mit eingebaut werden. Manchen Pferden ist es auch lieber, erst am langen Zügel zu gehen, bevor vom Boden gefahren oder die Doppellonge eingesetzt wird. Seitliches Übertreten, Schultervor oder –herein sind schon mit einfachen Führtechniken zu bewerkstelligen.

Der bisher dargestellte Gesamtkomplex der Bodenschule erlebt bei ambitionierten Freizeitreitern derzeit eine Renaissance, zu Recht. Sie ist ein geniales Ausbildungsinstrument für alle Pferde und unerlässlich bei der Korrektur von (Problem-) Pferden. Zudem bringt sie frischen Wind und Abwechslung in den Alltagstrott. Sie erlaubt es jedem der sich etwas Mühe gibt, sein Pferd in einfachen, und wenn gewollt und geübt, in Lektionen bis zur hohen Schule zu gymnastizieren. Mit Verstand Praktiziert, hält sie auch betagtere Pferdesenioren im wahrsten Sinne auf Trab. Man kann nicht genug betonen, dass das was für Freizeitreiter und ihre Pferde im Basistraining gut ist, für Fahrer und ihre Fahrpferde nicht schlecht sein kann. Aufbauend auf der Tellington-Methode ist unser Ausbildungskonzept eine wirklich erstklassige Möglichkeit, auch Fahrpferde solide und pferdeschonend an ihre späteren Aufgaben heranzuführen.

Zur Tellington-Bodenarbeit gehört komplementär die Körperarbeit am Pferd. Das eine ist ohne das andere zwar praktikabel, entfaltet zusammen aber erst seine einzigartige Wirkung.

Die Körperarbeit, auch als Tellington-Touch bekannt, hat ein sehr großes Spektrum. Es ist in seiner ganzen Bandbreite schwer mit wenigen Worten zu beschreiben in den Grundzügen jedoch relativ einfach zu erlernen. Medizinische oder therapeutische Vorkenntnisse sind zwar hilfreich, aber nicht notwendig.

Im weitesten Sinne handelt es sich um sanfte, manuelle Techniken, die in kreisförmigen, hebenden und gleitenden Bewegungen der Hände am ganzen Pferdekörper ausgeführt werden. Die Wurzeln liegen in der Feldenkraisarbeit, einem von Moshe Feldenkrais entwickeltem Therapiekonzept zur Integration von Körper und Geist für das menschliche Nervensystem. Im Humanbereich dient es zur Leistungssteigerung, Schmerzlinderung, Verbesserung von neurologischen Funktionsstörungen und zur Steigerung des Lernpotenzials. Linda Tellington-Jones, selbst ausgebildete Feldenkrais-Lehrerin, hat diese Ideen abgewandelt zu einer höchst effektiven Methode zur Verbesserung von Leistung, Lernfähigkeit und Wohlbefinden von Pferden – zu dem nach ihr benannten Tellington Touch. Die Wirkung dieser Touches auf der Zellebene und auf Hirnstromwellen ist wissenschaftlich nachweisbar.

Die Methode unterscheidet vier Arten von Touches:

-          vertrauensbildende

-          bewusstseinsfördernde

-          gesundheitsfördernde und

-          leistungssteigernde.

Auf die präzise Technik der einzelnen Touches einzugehen, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Ihre Auswirkung aber kann ansatzweise so beschrieben werden:

Sie dienen ganzheitlich gesehen zur Entwicklung und Verbesserung von Körpergefühl und Körperbewusstsein. Sie steigern die Konzentrations-, Leistungs- und Lernfähigkeit. Sie tragen enorm zur körperlichen und seelischen Ausgeglichenheit bei.

Einfach ausgedrückt:

Das Pferd lernt sich zu entspannen, zu lockern und zu lösen. Dieser positive Effekt hat Langzeitwirkung bis in die (Frei-)zeit nach dem Training. Mit solch einem Pferd macht das Lernen und Üben Freude – auf beiden Seiten.

Die Tellington-Methode ist nun keineswegs nur, wie viele irrtümlich meinen, eine Technik für die Grundschule. Bei Schwierigkeiten oder Verständnisproblemen, gerade auch auf höherem Ausbildungsniveau, kann und sollte immer wieder auf Übungen aus der Bodenarbeit bzw. vornehmlich auch auf die Körperarbeit zurück gegriffen werden – vor, während und nach den Übungseinheiten. Dazu braucht man keine Spezialausrüstung. Schon mit wenigen Griffen können Pferde aus Stress-Situationen, wie sie beim ersten Einspannen o.ä. entstehen können, wieder zur Gelassenheit gebracht werden. Ebenso ist es möglich, die Erholungsphase nach einem Leistungshoch auf natürlichem Weg positiv zu beeinflussen, z. B. PA-Werte zu senken. Es genügen, und das ist nur einer der vielen Vorteile der Tellington-Methode, ein wacher Kopf, einfühlsame Hände und die innere Bereitschaft und Offenheit, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Schon mit wenigen Griffen können Pferde aus Stresssituationen, wie Sie eventuell beim ersten Einspannen o. ä. entstehen können wieder zur Gelassenheit gebracht werden. Ebenso ist es möglich, die Erholungsphase nach einem Leistungshoch auf natürlichem Wege positiv zu regulieren, z.B. PA-Werte zu senken.

Das bis hierher geschilderte Basistraining ist, wie schon erwähnt, für Reit- und Fahrpferde gleichermaßen geeignet. Es verläuft auch fast 100 % identisch. Im nächsten Ausbildungsabschnitt werden die Schwerpunkte schon mehr auf Reiten oder Fahren gelegt. Es spricht aber auch gar nichts gegen eine kombinierte Ausbildung zum „Allrounder“. Das zukünftige Reitpferd wird an Sattel, Reitergewicht und Gebiss gewöhnt. Es lernt Halten, Wenden, Rückwärtsrichten unter dem Sattel und sich im Schritt/Trab ausbalanciert zu bewegen.

Für das Fahrpferd steht die weitere Gewöhnung an Geschirr, Leinen, Stränge und Gebiss an. Zuggewicht auf Brust und Schultern kommen hinzu. Ebenso leichte Zugübungen in der Schleppe (Reifen, Balken) oder am –noch leichten – Zugschlitten, in den Gangarten Schritt und Trab.

An diesem Punkt ist das Basistraining abgeschlossen. Es folgt dann das eigentliche Einreiten und/oder Einfahren.

In unserem Ausbildungszentrum Hohenvolkfien haben wir auf Grundlage der Tellington-Methode, ergänzt durch eigene Ideen, diese ganzheitliche Art der Bodenschule entwickelt. Die besondere Kombination von Boden- und Körperarbeit und das darauf aufbauende Einreiten/Einfahren ist unser Spezialgebiet und gleichzeitig Chefsache. Wir lehren es einmal in modular (3-4 gliedrigen) aufgebauten Wochenendkursen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und dazwischenliegenden Hausaufgaben. In den Seminaren lernen die Teilnehmer unter professioneller Anleitung ihre Pferde im Basisbereich selbst auszubilden. Alternativ dazu bieten wir ein mehrwöchiges Intensivtraining an. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Besitzer an vereinbarten Tagen selbst mitarbeiten und das lernen, was ihr Pferd bereits kann. Auch Auswärtskurse und Einzelchoaching, direkt vor Ort, sind möglich.