Springen im Chiron-System

 

Das Chiron-System ist eng verknüpft mit der Tradition der Lehre von Caprilli, der um 1900 den damals üblichen Springstil revolutionierte. Aus seiner „natürlichen Methode“ entstand der italienische Vorwärtssitz, ohne den die Entwicklung pferdeschonenden Springens nicht möglich gewesen wäre. Da Caprilli seine Ideen nicht systematisiert und niedergeschrieben hat lebten sie nur durch mündliche Überlieferungen weiter.

Durch das von Rolf Becher (1906-2002) entwickelte Chiron-System wurde das Gedankengut von Caprilli für unsere heutige Zeit lehr- und erfassbar gemacht.

Es gibt zwei zentrale Punkte, in dem sich CHIRON vom ansonsten üblichen Springstil unterscheidet. Als erstes und auffälligsten ist der „effektive leichte Sitz“ zu nennen. Charakteristisch durch seinen sehr kurzen Bügel. Dieser Sitz ist zugegeben anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, ist aber unumgänglich, um den Reiter in ein optimales Gleichgewicht zu bringen. Das Vertrauen zum eigenen Gleichgewicht bringt Selbstbewusstsein und damit auch mehr Entspannung im Sattel. Verkrampftes Festhalten mit Knie und Schenkel schwindet das Gewicht wird nach unten in die Bügel verlagert.

Ist die Gewöhnungsphase abgeschlossen, fühlt man sich sehr sicher im Sattel – von daher ein Sitzmodel, das auch für etwas ängstliche, springunerfahrene Reiter bestens geeignet ist. Der effektive leichte Sitz ist auch ideal zum Einreiten junger Pferde sowie zur Korrektur von Pferden mit Rückenproblemen. Für das Pferd ist das CHIRON-System eine ganz neue Erfahrung. Ein freier Rücken, der sich heben und dehnen kann, kein kneifendes Knie oder angepresste Schenkel.

Die einmal eingenommene Grundposition wird während der ganzen Springphase unverändert beibehalten – vom Anreiten bis zur Landung und in der weiteren Galoppade. Es gibt im CHIRON-System kein Anreiten mit Kreuz und Schenkeln. Daraus resultiert, dass das Pferd erlernt hat, den idealen Absprungpunkt selbst zu finden. Es wird angeleitet mit zu denken und im vorgegebenen Rahmen selbständig zu handeln. Das ist der zweite, elementare Unterschied zur herkömmlichen Lehre.

CHIRON-Reiten heißt daher, die verstandesmäßigen Fähigkeiten des Pferdes bewusst einzusetzen und statt bedingungsloser Unterwerfung, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anzustreben.

Gelehrt wird dieses System ausschließlich von authorisierten CHIRON-Reitlehrern überwiegend in Kursform mit Videobegleitung. Begonnen wird mit Sitzübungen, um das Gleichgewicht mit kurzen Bügeln zu finden und über Cavaletti-Arbeit zu festigen. Biegeübungen mit „öffnender und drückender Hand“ bereiten Wendungen vor. Rhythmusreiten zählt mit zu den wichtigen Grundübungen, bevor es durch die Stangengasse an die ersten kleinen Hüpfer geht. Ist der neue Sitz einigermaßen gefestigt kommen In/Out-Sprünge und fliegende Galoppwechsel über Sprünge an die Reihe. Krönender Abschluss eines Grundkurses kann dann das Reiten und Springen mit Halsring und ein „Vertrauenssprung über den Bindfaden“ sein. Ziel ist es, dem Reiter das nötige theoretische Wissen und die praktische Sicherheit zu vermitteln. Die Pferde werden angeleitet, ihren eigenen Rhythmus zu finden aus dem sich Bewegungsfreude, Vertrauen am Sprung und der dazu nötige Vorwärtsimpuls entwickelt.